Tobias Moretti als Josef Maria Hagenow

Hagenow (Tobias Moretti) ist unberechenbar.
Hagenow ist unberechenbar. | Bild: ARD Degeto / Boris Laewen

Sie spielen den zum Totschlag an einem Kind verurteilten Joseph Maria Hagenow, der nach seiner langen Haftstrafe ein neues Leben beginnen will. Was für ein Mensch ist Hagenow?

In dieser Frage liegt schon die Misere unserer Jurisprudenz und Wahrnehmung. Dieser Mensch Hagenow, den ich zu spielen hatte, ist ein mehrfacher Mörder, nur ist das Urteil aufgrund von fehlenden Beweisen und politisch korrekter Vorsicht auf Totschlag ausgesprochen worden. Dadurch klingt die Sache so harmlos. So wie zum Beispiel die Tat des Eurowings-Todespiloten A. Lubitz, der die Maschine mit sich und über 140 Passagieren, darunter einer Schulklasse, vorsätzlich in den Tod gerissen hat, in den Medien als erweiterter Selbstmord bezeichnet wurde. Es war aber vorsätzlicher Mord. Wie bei Joseph M. Hagenow. Bei solchen grauenhaften Taten kommt unser Rechtssystem an seine Grenzen.

Wie würden Sie Hagenows Beziehung zu Kommissar Wallat beschreiben?

Nun, zweifelsohne ist diese heikle, perfide und auch grausame Begegnung der beiden ein Schicksalsspiel von Antipoden. Fast wie ein Schachspiel des Todes, in dem man nicht mehr weiß, ob Hagenow angetrieben ist von pathologischer Lust oder von Rachegefühl. Der Motor dieses Abgrundes ist sein todbringendes perverses Spiel mit unschuldigen Kindern, nur um diesen inneren Triumph gegen Kommissar Wallat auszukosten.

Hagenows innere Zerrissenheit spiegelt sich in seinem Verhalten wider. Gab es Vorbilder für die Rolle, hatten Sie bestimmte Charaktere vor Augen?

Nein, gab es nicht. Es gab die Geschichte an sich, und die ist klar genug und grausam genug. Die Orientierung war der Prototyp des pathologischen Triebtäters, von dem Individuum lässt sich unabdingbar auf eine ganze Reihe von Schnittmengen für derartige Charaktere schließen. Klarerweise gibt man diesem Mix auch einen gewissen individuellen Ichbezug, ohne den man keine solcher Rollen spielen kann. Bisher habe ich alle Rollenangebote von triebtätigen Kindermördern abgelehnt, denn es gibt Dinge, die man zwar rational ergründen kann, die aber dennoch für immer unverzeihbar bleiben. Hier darf es auch nie mehr nur irgendeine Art von Rückführung in die Gesellschaft geben. Deshalb habe ich diesmal diesen Hagenow gespielt.

Ist sich Hagenow darüber im Klaren, welche Konsequenzen sein Handeln hat oder ist er imstande, das auszublenden?

Hagenow ist sich immer im Klaren, was er tut, und denkt sein Handeln zu Ende. Solche Menschen verfügen meistens über ein großes Intelligenzpotential. Anhand dessen kann er nicht nur die Ermittler in die Irre führen, dieses perfide Spiel spielen, sondern auch manchen Entscheidungsträgern minutiös einen anderen Charakter vorgaukeln. Das ist es, warum diese Leute so gefährlich sind. Denn er ist dem Psychologen, der solche Charaktere aus einer wissenschaftlichen Perspektive betrachtet, fast immer einen Schritt voraus.

5 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.