Vorwort von Axel Milberg

Axel Milberg ist Klaus Borowski
Axel Milberg ist Klaus Borowski | Bild: NDR / Christine Schroeder

»In einem frühen Telefonat mit unserem Autor schlug Peter Probst als Thema 'Incel' vor. Ich hatte noch nie davon gehört. Eine Bewegung aus Amerika, 'involuntary celibate', in Internetforen radikalisieren sich Männer, die sich von den Frauen abgelehnt fühlen. Einzelgänger, die glauben, attraktive Partnerinnen müssten eigentlich verfügbar sein und sie fühlen sich entsprechend unattraktiv und verhöhnt. Im Netz finden sich die Zurückgewiesenen und radikalisieren sich, sind keineswegs solidarisch oder tröstend, sondern der weiße Incel-Mann überträgt seine Wut von den Frauen auf bereits stigmatisierte Gruppen und richtet sie gegen Migranten, Juden, Muslime, Schwule oder Liberale.

Borowski berichtet, dass die Attentäter von Halle und Christchurch, auch der fürchterliche Norweger Anders Breivik, zu den Incels gehörten. Die Polizei kommt immer zu spät, heißt es. Hier in unserer Geschichte setzt sie zu einem Wettlauf gegen die Zeit an, um Schlimmeres zu verhindern. Es gibt Kompetenzgerangel. Staatsschutz, Cybercrime – Experten betreten die Bühne. Ein nicht unsympathischer, mitleiderregender Loser steht unter Verdacht. Ich bin natürlich sehr neugierig, wie Nicole Weegmann, unsere Regisseurin diesen Stoff umgesetzt hat, und wie die dampfende Männerhorde brüllen wird, nachts in einem fensterlosen Raum, in deren Mitte Borowski unerkannt steht.

Gerade als wir diese Szenen drehten, mussten wir die Dreharbeiten wegen der Pandemie für knapp zwei Monate unterbrechen. Wenn wir Kommissare am Ende des Films ratlos in die dunkle Nacht hinausschauen, ist klar, die Gefahr bleibt, solange das Netz eine virtuelle Zusammenrottung vieler zorniger Einzelgänger unkontrolliert möglich macht und sie in ihren Foren aufhetzt und zu Helden macht. Hochpolitisch, die Polizei kann das nicht endgültig lösen. Es ist immer eine Herausforderung, einem Thema gewissermaßen die Hauptrolle zu geben. Es müssen dann lebendige Menschen in ihrer emotionalen Glaubwürdigkeit unser Interesse an dem hochaktuellen Stoff wecken. Dem NDR und seiner Redaktion ist zu danken, dass er davor nicht zurückschreckt.«

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