Jan Krauter ist Uwe Lennartz

Immer verbissener gebärdet sich Uwe Lennartz (Jan Krauter), auf ihn hören will allerdings niemand. Das führt auch dazu, dass Marie Breuer (Michelle Barthel) sein Auftreten bedenklicher empfindet als seine Warnungen.
Immer verbissener macht Uwe Lennartz auf die Lage aufmerksa, doch er stößt auf taube Ohren. Das führt auch dazu, dass Marie Breuer sein Auftreten bedenklicher empfindet als seine Warnungen. | Bild: WDR / Frank Dicks

Jan Krauter ist Uwe Lennartz

Uwe Lennartz ist das Urbild eines Buchhalters: spießig, pedantisch und ausgesprochen vernunftgesteuert – das genaue Gegenteil der Goldjungs. Dass diese die Bank – seine Bank! – stramm in Richtung Abgrund spekulieren, entdeckt er recht früh, das Jonglieren einfacher Bankangestellter mit enormen Summen besorgt ihn. Auf ihn hören will allerdings niemand. Das Geld fließt doch, wo ist das Problem? Immer verbissener gebärdet sich Lennartz, was leider auch dazu führt, dass Marie sein Auftreten bedenklicher empfindet als seine Warnungen.

Jan Krauter im Gespräch

Sie spielen in "Goldjungs" Uwe Lennartz, einen, gelinde gesagt, etwas steifen Buchhaltertyp, der als einziger erkennt, dass da gerade etwas schief läuft in der Bank.

Es gab damals tatsächlich einen Revisor, der den Untergang lange gewittert hat. Aber er wurde verlacht, es wurde nicht auf ihn gehört. Er wurde zu sehr als Spielverderber gehandelt. Man wollte lieber das Spiel spielen. Uwe Lennartz jedenfalls ist ein fiktiver Charakter. Ein bisschen spießig, er hängt sehr an seiner Bank. Persönlich habe ich nicht besonders viel mit ihm gemein. Hoffe ich zumindest sehr. Am Ende eines Drehtages habe ich mich immer sehr gefreut, wenn ich ihn mir abduschen konnte.

Sie sind also auch nicht der Mensch, der mit Zahlen und Fachbegriffen aus der Finanzwelt jonglieren kann?

Das war auch lustig am Set. Wir hatten immer wieder Momente, wo ich, glaube ich, ziemlich nervig dastand und nachhakte, was das eigentlich genau bedeutet, was ich da grade sage. Ich muss meine Figur ja verstehen, um sie spielen zu können. Also, nervte ich alle Beteiligten mit Genauigkeit. "Was bedeutet das?", "Was sage ich da?" Für mich ist das alles echt ein Buch mit sieben Siegeln. Börse? Verstehe ich nicht! Ich verstehe auch nicht, wie man aus nicht vorhandenem Geld Geld machen kann. Dass da irgendwie plötzlich Werte aus nichts entstehen, fällt mir zu verstehen schwer. Für mich ist das so, als ob ein Naturgesetz gebrochen wird. Irgendwie kollabiert es ja auch jedes Mal. Ich habe auch Geschichten gehört, wo selbst unter Freunden, die bei der Bank gearbeitet haben, vermeintlich gute Kredit-Angebote ausgegeben wurden, die sich hinterher als schlimmster Betrug herausgestellt haben. Also eigentlich bin ich völlig falsch in einer Bank! Ich bin eher die Oma mit dem Gold im Strumpf unter dem Kopfkissen.

Was würden Sie machen, wenn es Ihnen wie den Kunden der Herstatt-Bank ergehen würde und auf einmal sind Ihre Ersparnisse weg?

Wenn ich mir vorstelle, es käme aus dem Geldautomaten kein Geld mehr raus ... Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Ich hatte während Corona irgendwann den Gedanken, was passieren würde, wenn keiner mehr Geld haben würde, aber ansonsten alles so weiterginge wie bisher. Man kauft sich belegte Brötchen, schiebt aber nichts mehr über den Tresen. Dann würde ja eigentlich nichts passieren. Wobei es dann eben problematisch wäre, den Müllmann davon zu überzeugen, dass er jetzt weiterhin den Müll wegräumen muss.

Schwierig.

Nun, das ist eigentlich ein sehr interessanter Ansatz zur Umstrukturierung einer Gesellschaft. Wenn man sich zum Beispiel vorstellt, dass die Beseitigung des Mülls eine rotierende Aufgabe ist, die jeder mal ab und zu macht. Aber das ist ein anderes Thema .

Hat es Spaß gemacht, in dieser aufwendigen 70er-Jahre-Ausstattung zu drehen?

Ja, klar. Zeitreisen sind immer lustig. Ich drehe wahnsinnig gern historisch, weil man dann durch so eine Art lebendes Museum laufen und damit interagieren kann. Beim Dreh von "Goldjungs" habe ich mich beim Aufstehen und Hinsetzen allerdings oft gefragt, wie die Menschen das damals gemacht haben. Und wie es darauffolgende Generationen geben konnte. Denn man hat immer das Gefühl, dass man sich in diesen Hosen bei diversen Bewegungen selbst kastriert. Aber nun ja. Jedenfalls war ich als Uwe Lennartz leider nicht derjenige, der Flower-Power-mäßig durch die Gegend jetten durfte, sondern gehörte eher zur Fraktion "Mit 30 schon 60 Jahre alt". Ich durfte auch keinen Porsche fahren. Ist vielleicht auch ein Problem von Uwe Lennartz, dass er das alles nicht darf und nicht so richtig dabei ist.

Denkt man an die 70er, haben viele direkt bestimmte Bilder vor Augen und einen bestimmten Sound im Kopf. Sie auch?

Erst einmal: Ich habe diese Zeit gar nicht erlebt. Meine Vorstellungen von ihr sind natürlich verklärt, ich kenne die 70er ja nur aus Filmen. Vielleicht denkt man in wirklich auch gar nicht "Aaah, die 70er Jahre", sondern: "Aaah, meine Kindheit". In der habe ich nämlich 70er Filme gesehen und 70er Musik gehört. Ich frage mich übrigens oft: Was wird man eigentlich über unsere Zeit sagen, in 50 Jahren, in 100 Jahren? Ich meine, einerseits ist es schön, dass Vielfalt wächst und immer mehr gedeiht. Das ist gut so. Allerdings hat man dann natürlich auch nicht mehr diese Prägnanz oder diese eine Mode. Oder diese eine Musikrichtung. Was wird der Sound der 2000er sein? Bisher ist das für mich noch eine ziemliche Kakofonie.

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