Ulrich Friedrich Brandhoff ist Ferdinand Baron von Broustin

Anders als Mick Sommer (Tim Oliver Schultz, rechts) hat der stellvertretende Direktor der Herstatt-Bank, Ferdinand Baron von Broustin (Ulrich Friedrich Brandhoff) durchaus Respekt vor dem Risiko der Devisengeschäfte, doch sie beenden? Nein, lieber nicht.
Anders als Mick Sommer hat der stellvertretende Direktor der Herstatt-Bank, Ferdinand Baron von Broustin durchaus Respekt vor dem Risiko der Devisengeschäfte, doch sie beenden? Nein, lieber nicht. | Bild: WDR / Frank Dicks

Ulrich Friedrich Brandhoff ist Ferdinand Baron von Broustin

Der Herr Baron ist stellvertretender Direktor der Herstatt-Bank – ein Freund der gehobenen Etikette und des geschliffenen Stils, stets sehr darauf bedacht, wie er auftritt und wie er auf seine Umwelt wirkt. Als Verfechter des Schönen, ja als totaler Ästhet sieht er sich selbstverständlich als Künstler, gelegentlich greift er zum Pinsel. Seine Sekretärin Marie glaubt zunächst, dass sich ihr Vorgesetzter für sie interessiert. Seine wahren Motive erschließen sich ihr dann später. Anders als Mick Sommer hat der Baron durchaus Respekt vor dem Risiko der Devisengeschäfte, doch sie beenden? Nein. Lieber nicht.

Ulrich Friedrich Brandhoff im Gespräch

Für viele Menschen waren die Geschehnisse damals eine echte Katastrophe, sie verloren ihr gesamtes Erspartes. Wie würden Sie reagieren, wenn die Bank, der Sie ihr Geld anvertrauen, pleiteginge?

Es ist ganz und gar nicht unrealistisch, dass so etwas wieder passiert. Der Film ist nach wie vor aktuell, denke ich. Wie ich reagieren würde, wenn mir das passiert, das kann ich nicht genau sagen. Ich würde wahrscheinlich alle Hebel in Bewegung setzen, um irgendwie Gerechtigkeit zu erreichen oder zumindest mein Geld zurückzubekommen. Oder man macht einfach einen Film darüber. Das ist, glaube ich, auch schon mal ein guter Weg.

Im Fall der Herstatt-Bank-Pleite ist es ein sehr unterhaltsamer Film geworden.

Das Schöne ist ja, dass wir mit dem zeitlichen Abstand einen satirischen Blick auf die ganze Geschichte haben. Für uns Schauspieler ist das gut, weil wir dadurch ganz anders aufspielen konnten. Man kann viel mutiger Dinge ausprobieren und dem Ganzen auch eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Oder Dinge erzählen, die auch ein bisschen lustig oder skurril sind. Aus der Situation oder der Not heraus eine Komik entwickeln. Dafür ist der Baron eine gute Figur. Durch sein extrovertiertes Auftreten und seine charakterlichen Manierismen kommt er immer ein bisschen exotisch rüber. Er trägt aber auch ein großes Geheimnis mit sich herum, das seiner Geschichte einen essenziellen Boden verleiht. Also, er ist eine wunderbare Figur. Es hat totalen Spaß gemacht, ihn zu spielen.

Bei den Dreharbeiten müssen Sie sich ja wie in den 70ern gefühlt haben …

Da wurde mit unglaublicher Liebe fürs Detail gearbeitet. Die Innenausstattung, die Requisite … Jedes Motiv – sei es das Büro des Barons von Broustin, sei es das von Marie Breuer – war wirklich en détail perfekt hergerichtet. Und es war ein großes Vergnügen, darin zu spielen. Du kamst da rein und hast gedacht: „Oh, wunderbar!“ Wie eine Spielwiese, auf der es überall kleine Dinge gibt, mit denen man etwas anfangen kann. Das war ein großes Geschenk.

Was verbinden Sie persönlich mit den 70ern?

Ich bin 1985 geboren. Das heißt, ich habe dieses Jahrzehnt verpasst. Dazu kommt, dass ich im Osten geboren bin, wo die 70er dann auch noch mal anders waren als in Köln. Aber das ist ja das Schöne an unserem Beruf, dass man spielerisch in vergangene Zeiten zurückschlüpfen kann. Allein das Kostüm anzuziehen und zu merken: Ah, damals trug man hüftbetont. Es sitzt auch alles enger, als man es von unseren lappigen Jeans gewohnt ist. Das alles hilft einem ungemein, in seine Figur reinzukommen. Für mich als Schauspieler ist alles, was mich umgibt, eine Spielhilfe, seien es Requisiten, Kostüm, Maske, Kolleginnen und Kollegen. Und bei den "Goldjungs" war alles top.

Der Antrieb von allem, was damals passiert ist und nun im Film passiert, scheint eine Art unstillbarer Gier zu sein. Glauben Sie, dass Gier in der Natur des Menschen liegt?

Ich denke, es gab damals tatsächlich solch eine Gier, und es gibt sie heute noch. Gier bedingt einen sportlichen Ehrgeiz, der die Leute blind macht für das, was sie damit anrichten. Ich wollte ja eigentlich nicht über Corona reden, aber wenn man sich die Einkaufswagen angeguckt hat mit dem Klopapier und wie die Leute angefangen haben, sich darum zu prügeln … Ja, es scheint irgendwie in den Menschen verankert zu sein. Auf der anderen Seite verwahre ich mich gegen die Ansicht, dass man nichts dagegen tun kann. Und sollte.

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