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Service: Volkskrankheit Fettleber

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Service: Volkskrankheit Fettleber | Video verfügbar bis 06.07.2023 | Bild: WDR

In Industrieländern wie Deutschland leiden laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen an einer nicht-alkoholischen Fettleber (Lebersteatose). Gründe dafür können falsche Ernährung und zu wenig Bewegung sein. Nicht jeder Betroffene merkt zunächst, dass er an einer Fettleber leidet. Symptome können Müdigkeit oder Druck im rechten oberen Bauchraum sein. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, können sich Augen und Haut gelblich verfärben.

Was sind Ursachen für eine nicht-alkoholische Fettleber?

Die nicht-alkoholische Fettleber gehört in mehreren westlichen Ländern zu den häufigsten Lebererkrankung. Sie wird auch als „Wohlstandssyndrom“ bezeichnet. Fast immer betrifft die Erkrankung Menschen, die mehrere Risikofaktoren tragen: starkes Übergewicht (viszerale Adipositas), Störungen im Fettstoffwechsel, Bluthochdruck oder Störung des Blutzuckerstoffwechsels bis zur Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Ebenso können Erkrankungen wie Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) oder Operationen für die Entstehung einer Fettleber verantwortlich sein.

In etwa einem Drittel der Fälle kann sich laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Fettleber zu einer Leberentzündung (Steatohepatitis) entwickeln, die chronisch werden kann. Auch Medikamente zur Behandlung anderer Erkrankungen können zu einer Fettleber-Hepatitis führen: beispielsweise Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Blutdrucksenker oder bestimmte Mittel aus der Krebstherapie. In solchen Fällen sollten Betroffene Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten und sich über Risiken aufklären lassen.

Wegen fehlender oder nicht eindeutig zuzuordnender Symptome muss eine Fettleber mit mehreren Überprüfungen festgestellt werden. Ein erster Hinweis können Blutwerte sein. Ist anschließend ein Ultraschall auffällig, können Leberwerte aus dem Laborbefund Aufschluss geben. Die Leber muss nicht zwangsläufig punktiert werden.

Folgen

Was können Folgen einer nicht-alkoholischen Fettleber sein?

Unbehandelt führt eine Fettlebererkrankung in etwa 5 Prozent der Fälle nach etwa zehn Jahren zu einer so genannten Leberzirrhose: das Organ verhärtet, schrumpft und wird zerstört. Mögliche Folgen: Krampfadern in der Speiseröhre, lebensbedrohliche Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt.

Die Leber funktioniert nicht mehr richtig und kann keine ausreichenden Blutgerinnungsfaktoren mehr herstellen. Das erhöht das Risiko und behindert das Stillen einer Blutung. Auch die Entgiftung von Stoffwechselendprodukten ist gestört. Darüber hinaus steigt das Risiko für Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom).

Wie kann eine Fettleber behandelt werden?

Abnehmen ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei Fettleber-Erkrankung; Betroffene sollten sich ausreichend bewegen. Auch potenziell auslösende Medikamente sollten – nach Rücksprache mit dem Arzt – ausgetauscht oder ganz abgesetzt werden. Bei Diabetes mellitus sollten Zielwerte erreicht und gehalten werden. Schon eine Gewichtsverringerung um 5 Prozent verbessert die Leberwerte deutlich. Bei ca. 10 Prozent kann sich das Organ innerhalb eines Jahres normalisieren.

Wie soll ich mich bei einer Fettleber-Erkrankung ernähren?

Die Ernährung sollte so umgestellt werden, dass sie die Erkrankung nicht weiter begünstigt. Betroffene sollten zum Beispiel auf Lebensmittel mit zugesetztem Fruchtzucker verzichten. Er wurde, anders als in Obst enthaltener Fruchtzucker (Fruktose), als Risikofaktor für nicht-alkoholische Fettleber identifiziert. Werden diese Veränderungen eingehalten, gibt es bei Fettlebererkrankung in der Regel eine günstige Prognose, denn die Leber kann sich gut regenerieren.

Ernährungstipps für eine gesunde Leber

  • Achten Sie insgesamt auf ausgewogene Ernährung. Empfehlenswert ist klassische mediterrane Kost mit frischen, überwiegend pflanzlichen Bestandteilen. Verzichten Sie auf Fertig-Lebensmittel und Alkohol.
  • Eher selten sollten Sie rotes Fleisch essen, stattdessen besser Fisch mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren (Makrele, Lachs, Hering).
  • Nutzen Sie gesunde Öle wie Lein-, Oliven- oder auch Walnuss-Öl bzw. Walnüsse. Fettarme Milchprodukte sollten Sie nur in geringen Mengen zu sich nehmen.
  • Essen Sie frisches Obst.
  • Trinken Sie bis zu vier Tassen Kaffee täglich: Ihm konnte eine Schutzfunktion für die Lebergesundheit nachgewiesen werden.
  • Moderate, aber regelmäßige Bewegung verbessert insgesamt Ihren Stoffwechsel – und damit nicht nur die Lebergesundheit, sondern auch die Herz-Kreislauf-Funktion.

Links

Weitere Informationen

• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: nicht-alkoholische Fettleber
https://gesund.bund.de/nicht-alkoholische-fettleber

• MDR, Rat vom Arzt: Was die Leber krank macht und was ihr hilft (21.03.22)
https://www.mdr.de/ratgeber/gesundheit/fett-leber-alkohol-zucker-symptome-100.html

• NDR: Ratgeber Gesundheit: Eine Fettleber erkennen und mit Ernährung therapieren https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Fettleber-Ursachen-Symptome-und-richtige-Ernaehrung,fettleber102.html

• SWR Doc Fischer: Fettleber – Warum die Erkrankung auch schlanke Menschen treffen kann (07.02.22)
https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/gesundheit/fettleber-warum-die-erkrankung-auch-schlanke-menschen-treffen-kann-100.html

Stand: 06.07.2022 08:28 Uhr